Samstag, 19. September 2026

Tops und Flops

Licht und Schatten
Wie überall, gibt es auch auf unserer Reise Licht und Schatten. Wobei für uns das Licht bei weitem überwiegt.

👍 Ein junger Mann läuft in Cusco hinter uns her und ruft: "Señora, Señora!" Ich bin irritiert und etwas erschrocken. Er hält mir lachend das Etui meiner Sonnenbrille hin - es war aus meiner Tasche gerutscht. Und das, wo man angeblich in Südamerika an jeder Ecke überfallen und beklaut wird!

🇵🇫  

👎 Wir haben bei Flavio und Maria gut und reichlich zu Mittag gegessen. Also: am Abend gibt's nur eine Kleinigkeit, eine Empanada oder einen Hamburger. Wir wählen das kleine Lokal ganz nah bei unserem Hotel. "Ja, klar haben wir Hamburger!". Die stehen nicht in der Karte, aber man versichert uns, dass man uns Hamburger zubereiten werde. Was nach einer gefühlten Ewigkeit kommt, ist die jammervollste Interpretation eines Hamburgers und zugleich das miserabelste Essen, das wir in Perú je vorgesetzt bekamen: ein großes trockenes Brötchen, eine dünne Scheibe Hackfleisch, bretthart und voller Sehnen und Flechsen, zwei traurige kleine Tomatenscheiben, ein paar matschige Pommes. Gewürz? Soßen? Fehlanzeige. Ich kann noch nicht mal ein Viertel davon essen. Das sage ich auch dem Kellner, er drückt sein Bedauern aus.

🇵🇫  

👍 Zunächst wirkt der Rezeptionist in unserem Hotel in Cusco professionell freundlich, aber etwas distanziert. Von Tag zu Tag taut er mehr auf. Findet es toll, dass wir zum Spanischkurs gehen. Streut ab und zu ein paar deutsche Worte ein und freut sich, wenn wir uns freuen. Am Abend vor unserer Abreise meint er, er würde uns sehr vermissen, er hätte uns fest in sein Herz geschlossen. Zum Andenken schenkt er uns einen Magnet-Sticker. Und es kommt zu einer Umarmung. Tags darauf hat er morgens immer noch oder schon wieder Dienst: Abschied / die Zweite. Wieder herzlich, wieder emotional. Als wir nachmittags im Innenhof aufs Taxi zur Bus-Station warten, hat er Dienstschluss. Abschied / die Dritte. Er kommt zu uns in den Patio und bekräftigt erneut, dass wir in seinem Herzen bleiben würden.

🇵🇫 

👎 Wir freuen uns auf unser Hotel in Paracas, das wir schon aus dem Jahr 2015 kennen. Damals hatten wir ein großzügiges, schönes Zimmer. Dieses Jahr? Fehlanzeige. Dass das Zimmer winzig ist: geschenkt. Aber dass es vernachlässigt wirkt und einiges nicht funktioniert, frustriert uns ziemlich.

🇵🇫  

👍 Die Rettung: Ruth, unsere Reiseagentin aus Cusco, die die Reise für uns organisiert, reagiert sofort auf meine WhatsApp-Mitteilung. Sie gibt die Anweisung (!), dass man uns ein anderes Zimmer anbieten möge, und: wir ziehen nochmal um in ein anderes Nebengebäude. Es wirkt, als gehöre das Zimmer zu einem anderen Hotel (vielleicht renovieren sie Trakt für Trakt, wer weiß?): frisch, hell, großzügiger und vor allem: alles funktioniert, wie es soll. Danke, Ruth! 

🇵🇫 

👍 Einer der Hauptgründe, warum wir gerne wieder in das Hotel Emancipador hier in Paracas (das uns zunächst so enttäuschte, s.o.) wollten, war das Frühstück: es gab immer frittierten Fisch und reife, frische Ananas. Zusammen mit gehobelten Zwiebeln eine für unsere Gewohnheiten eher ungewöhnliche Kombination. Zum Frühstück. Und sooo gut! Heute, Sonntag, gibt es Pejerrey, eine Sorte, die hier überwiegend Grundlage für das Ceviche ist. Leider erklärt Wikipedia, dass diese Sorte Fisch nur in Südamerika, die gesamte Familie entlang des amerikanischen Kontinents vorkommt. 

Nationalpark Paracas


Und wieder: Wüste. Was anderes gibt es dort nicht, in der Reserva National de Paracas. Und Küste natürlich, rundherum um die Halbinsel. Also auch Fisch. Köstlichen Fisch. Nur wenige Fischer erhalten dort eine Lizenz zum Fischen, und den Großteil davon verkaufen sie frisch zubereitet an die zahlreichen Touristen: "Im (peruanischen) Sommer von März bis Juni gibt es hier nirgendwo mehr Parkplätze, an den wenigen Badestränden wartet man eine Stunde auf den Einlass", erzählt uns Jhoan, unser Guide. Jetzt, Ende des Winters/Anfang Frühling ist es relativ ruhig und trotzdem gut besucht.
Was die Wüste unter anderem so besonders macht: ihre vielen Farben



Und wieder: Gleitschirmflieger

Parkplatz am Badestrand

Weit hat es der Fisch nicht vom Meer ins Restaurant. 
Mittagsschläfchen


Mittagessen am Meer






Windig war es. Am Tag zuvor gab es hier 
wohl sogar einen Sandsturm



Noch mal: Sonnenuntergang. Irgendwann fiel es uns dann ein, dass wir gerade Ende des Winters habe. Unser letzter Besuch fand im Sommer statt. Deswegen sieht jetzt alles anders aus.

Paracas

Um Viertel vor Acht werden wir im Hotel abgeholt und zur Mole gebracht. Wie schon bei unserem Besuch 2015 werden wir mit dem Boot einen Ausflug zu den Inseln unternehmen, die, bedeckt von Vogeldung, weithin sichtbar weiß aus dem Meer leuchten - sie sind bedeckt von Guano, dem "weißen Gold". Er ist ein guter Dünger und sorgt für ordentliche Einnahmen. Peruanischer Guano gilt als einer der besten in der Welt. 

Fischerboote vor Paracas

In der Bucht vor Paracas begegnen wir Delphinen

Ein alter Bekannter, der Candelabro. Die einzige Geoglyphe, die von der See sichtbar ist und daher auch als eine Art prähistorische Navigationshilfe für Seefahrer interpretiert wird

Olenka, unsere Guya, und César, unser Capitan

Sieht vielleicht nicht so aus, aber die Pelikane sind beim Fischen. Sie erheben sich drei, vier Meter über die Meeresoberfläche um sich dann ins Meer zu stürzen.

Am Nachmittag machen wir einen Strandspaziergang, lassen uns den Wind ins Gesicht wehen, genießen den Pazifik und die Sonne.
Zwei am Meer

Wasserspielplatz

Der seltene und scheue zweiköpfige Pelikan

Wahlwerbung auch hier

 

Hier waren wir dann doch nicht essen

... sondern hier, bei Bruce's, an der Hafenpromenade. 
Sehr gutes Essen, unterhaltsame Wirtin, gute Preise


Gruß an die Hexenzunft Latwerschern!

Nicht ganz so spektakulär wie am Anreisetag. Einen Abend haben wir ja noch.



Freitag, 18. September 2026

Ab durch die Wüste

Zwischen Nazca und Ica

Wir verlassen Nazca um 14 Uhr, vorbei am Mirador und dem Museum Maria Reiche, den Zielen unseres gestrigen Ausflugs.

 

Die Strecke nach Pacaras über Ica, die Hauptstadt des gleichnamigen Departements, führt durch Wüste. Es ist der nördlichste Ausläufer der Atacama-Wüste. Trotzdem ist es ein wichtiges Anbaugebiet für Obst, Gemüse (u.a. Spargel) und Wein. 

Schon in präkolumbianischer Zeit wurde hier mittels ausgeklügelter Bewässungssysteme allerlei angebaut. Allerdings ausschließlich soviel, wie das verfügbare Wasser her gab: in der Region regnet es im Schnitt 20 mm pro Jahr! Das benötigte Wasser stammt aus den Bergen und versickert hier im Karst, von wo es wieder herausgepumpt wird. Mit moderner Technik natürlich mehr als früher. Und mehr, als dem Grundwasser gut tut.


Wir fahren also nicht nur durch Wüsten-, sondern auch durch blühende Landschaften. Die erwähnten Weinfelder, Kakteen, Palmen, Reis, Spargel ... viel davon für den Export. Leider kein Wein, der reicht gerade für den Eigenbedarf.

Weinfelder bei Ica

Mit sinkender Sonne nähern wir uns Paracas, der Horizont wird orange ... Leider lässt sich das aus dem Bus nicht so gut fotografieren. Aber morgen am Strand! 

Abendstimmung kurz vor Paracas

 

Donnerstag, 17. September 2026

Kommunalwahlen in Peru

Wir hatten schon mal erwähnt, dass in Peru demnächst - Anfang Oktober - Kommunalwahlen stattfinden (Bürgermeisterwahlen, so scheint es uns) und derzeit der laute, bunte und irgendwie fröhliche Wahlkampf "tobt". Und plötzlich stecken wir mittendrin. 

Wahlkampf mit einem Extranjero

Auf unserem letzten Spaziergang durch Nazca - unser Bus wurde aus betrieblichen Gründen  storniert, die nächste Abfahrt erfolgt erst um 14 Uhr, wir haben also mehr Zeit als erwartet - kommen wir an einem Wahlkampfbüro vorbei. Also fast. Wir sind plötzlich von Menschen mit Werbe-T-Shirts und entsprechenden Käppis umringt, ich bekomme eins in die Hand gedrückt, alle gruppieren sich zum Foto um mich. Keine Ahnung, wem ich da möglicherweise zur Macht verhelfe. 






Es sind nicht nur Plakate, die für die Kandidaten werben. In Cusco drückt man uns - obwohl nicht wahlberechtigt - auf dem Plaza Tupac Amaru Buttons in die Hand, die praktischerweise auch als Kapselheber dienen. Hier in Nazca sind es vor allem fahnengeschmückte Pickups mit sehr lauter Musik und ohrenhörlich angepassten Texten, in der Regel den Namen des jeweiligen Kandidaten proklamierend, die überall in den Straßen präsent sind. Ganz abgesehen von Plakaten und Wandmalereien.
 
P.S.: Die begeisterten Reaktionen auf das Foto von mir haben mich auf den Gedanken gebracht, vielleicht selbst als Alcalde zu kandidieren. 

Vista Alegre

Wir sind mittags zurück im Hotel und beschließen, jetzt doch den 30minütigen Fussmarsch zur "Schönen Aussicht", einem Stadtteil von Nazca, zu unternehmen. 

Der Rio Grande de Nazca

Wir überqueren zunächst auf einer Fußgängerbrücke den Rio Grande de Nazca.  Der keinen Tropfen Wasser führt. Hier regnet es ja bekanntlich nie - obwohl, am Abend, als wir vor dem Essen noch einen Spaziergang machten, kamen tatsaächlich ein paar Tropfen herunter! Wenn, dann kommt Wasser aus den Bergen hier an. Mitunter mehr, als einem lieb ist.

Der Hornbach von Nazca

Endlich wieder richtige Bürgersteige!
Danach geht es eine sehr staubige, überwiegend von LKWs befahrene Straße entlang weiter. Es scheint so eine Art Baumarkt-Viertel zu sein, mit den zum Hausbau notwendigen Materialien: Bambus, Holz, Flechtmatten und Zement bzw. Mörtel. 

Weiter geht's in das Viertel hinein bis zum Plaza Mayor. Warum der den Beinamen "Touristica" trägt, erschließt sich uns nicht. Vielleicht wegen des Denkmals von Maria Reiche im Zentrum und den Darstellungen der bekanntesten Symbole der Lineas?    

Die Statue von Maria Reiche am Plaza Mayor

Eine Bühne vor dem Rathaus ist für einen Wettbewerb vorbereitet und geschmückt: Concurso Canino, (Schönheits?-) Wettbewerb für Hunde, daneben eine Art Open Air Restaurant mit einem riesigen Asado, einem Grill voller Fleisch.
 

Die Bühne für den Hundewettbewerb

Fleisch vom Grill



Sie sind - natürlich - überall im Stadtbild zu finden: die Geoglyphen von Nazca



Mittwoch, 16. September 2026

Nazca: Las Lineas


Der alte Aussichtsturm "Torre Maria Reiche"

Deswegen sind wir hierher gekommen: wegen der legendären Linien von Nazca.

Um 8:30 Uhr holt uns unser Guide César León im Hotel ab. Wir fahren zunächst auf der Panamericana ein ganzes Stück aus der Stadt Nazca heraus. Die Landschaft ist ziemlich plan, umrandet von Bergen. Dazwischen einige rostrote Hügel - wie geschaffen für einen Raumflughafen!

Ich erinnere mich, dass ich mit 10, 12 Jahren den damaligen Bestseller "Erinnerungen an die Zukunft" von Erich von Däniken gelesen und das erste Mal von den Nazca-Linien gehört hatte. Er interpretierte sie als Landebahnen für Außerirdische, einige Darstellungen von Personen in zeremonieller Kleidung als Astronauten. Als Knirps und Perry-Rhodan-Leser war ich von seinen Ideen begeistert.

Erster Programmpunkt ist der Besuch des Museums Maria Reiche. Dieses besteht im Wesentlichen aus dem im Original erhaltenen Haus der Forscherin nebst Einrichtung und Original-Fahrzeug - mittlerweile allerdings mit platten Reifen. Außerdem Originalskizzen, Arbeitswerkzeuge, etc.

Der Kassierer im Museum vergeicht mich mit  .... ich verstehe es nicht, es geht mal wieder um meine  Größe und meine Haare. Als ich später im Auto bei César nachfrage, erklärt er mir: "Hulk Hogan incognito ohne Schnurrbart". Der Wrestler, nicht das grüne Monster. Aber den Namen gesprochen wie geschrieben, mit spanischem Akzent. Daher die Verwirrung.

Bei uns ist es etwas so: Edgar ist der "Fachmann" für Antikes, für alte Kulturen und Mythen, für Trümmer aller ArtIn all unseren Jahren bin ich häufig mitgetrottet und habe mich dann doch anstecken lassen von der Begeisterung.

Mit César im Museum Maria Reiche

Ich wusste nur ungefähr, was mich bei den Nazca-Linien erwartet. Und wieder einmal hat es mich förmlich weg gerissen: die teilweise mehr als zweitausend Jahre alten Bilder, exakt in den steinigen Boden gekratzt, voller Ausdruck und Schönheit. Und die Geschichte um die deutsche Forscherin Maria Reiche, die hier hoch verehrt wird. Die im vergangenen Jahrhundert für die Nasca-Linien brannte. Die alle Linien (!) mit dem Besen frei gekehrt hat, um sie sichtbar zu machen - das hat mir die Sprache verschlagen.
Unsere Welt bietet immer wieder Überraschungen!

 

Maria Reiches Arbeitszimmer ...
... mit Bett
Ihr VW-Bus, Nachfolger ihres VW-Käfer

Danach geht es weiter bzw. zurück zu einem Aussichtsturm, von dem aus wir dann einen Blick auf einige der Linien werfen können.

Karte mit Turm und Geoglyphen
Über uns kreist eines der Flugzeuge, mit denen man die Scharrbilder aus der Vogelperspektive betrachten kann. Uns reicht die "Giraffenperspektive", um ausreichend beeindruckt zu sein. César erzählt uns ungefragt, dass das kürzlich abgestürzte Flugzeug aus Paracas kam. "Einem Flieger aus Nazca passiert das nicht". Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir die Bilder und Linien aus der Nähe "erleben" wollten. 

Die Eidechse
Die Hände. Interessanterweise mit 9 Fingern:
Maria Reiche hatte nach einer Infektion einen verloren.


Der Baum

Die Nazca-Katze war durch Erosion schon fast verschwunden, 
bevor sie 2020 wiederentdeckt wurde



Beim Bau der Panamericana wurde auf die Linien 
nicht geachtet. Sie geht schnurgerade hindurch.