Freitag, 11. September 2026

Mari und Lili

 Es ist Freitag, unser letzter Schultag. Nach 4 Tagen - so wenig Unterricht hatten wir noch nie hier in Cusco - verabschieden wir uns von unseren beiden Lehrerinnen, die sich die Last unserer Weiterbildung teilten. 

Jede auf ihre ganz eigene Art, mit Geduld und Humor, brachten sie uns vor Allem zum Reden, erzählten aber auch viel vom Leben hier in Peru und in Cusco im Speziellen. Und korrigierten natürlich noch alle Grammatikfehler. Muchas Gracias!

Mari ...

... und Lili

 

Wir leben in einem Palast

Tatsache. Unser Hotel ist ein 400 Jahre altes Gebäude im Kolonialstil, das vom Zuschnitt der Räume ein solcher gewesen sein muss. "Marqueses", der Name ist Programm. 

Allein unser Zimmer dürfte gefühlt die Ausmaße unseres Hauses in Deutschland haben. Auch in der Höhe. Und das gesamte Mobiliar wirkt so, als stehe es hier seit der Erbauung. Jeden Tag entdecken wir neue Details. Ein liebevoll restauriertes Balkongeländer, an dem jeden Tag gearbeitet wird, die geschnitzten Türen und Holzläden, Schränke, Stühle ...

Abgesehen von dem musealen Umständen ist das Personal freundlich, das Frühstück gut und ausreichend (vor allem der Kaffee!), die Lage nahezu unschlagbar und der Preis trotzdem nicht so hoch. 

Von unserer Zimmertür schauen wir auf den Christo Blanco über Cusco

Eine Kopie der Abendmahlsszene 
aus der Kathedrale hängt im Frühstücksraum


La Marquesa auf der Galerie, dem Corredor

Unser Zimmer. Einfach riesig!

Der Corredor vor unserem Zimmer

Blick vom Balkon zur Kathedrale von Cusco

Einer unserer Fensterläden

Blick in einen der beiden Patios



 

Donnerstag, 10. September 2026

Eine Wette auf das Leben


Flavio hat uns zu einer Art Elternabend eingeladen.Er ist, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, Leiter von PACAI, eines Vereins, der sich um an Leukämie erkrankte Kinder und ihre Familien kümmert.

Das Treffen finder im "Cafe Berlin" statt, dem Kommunikationszentrum von Acupari.

Ich habe den Raum in schlechter Erinnerung: hier musste ich mit einer Stewardess aus Deutschland Salsa tanzen (oder es zumindest versuchen). Der Tanzlehrer meinte, Gabriele passe nicht zu mir. Größenmäßig. Ich finde, Salsa passt nicht zu mir.

Das Treffen ist für 18:00 Uhr angesetzt, "hora peruana", wie Flavio meint. Bis 18:30 trudeln Eltern  erkrankter Kinder und PACAI-Mitarbeiter ein. Nach der Eröffnungsrede - wir werden als langjährige Freunde und Unterstützer von PACAI vorgestellt und mit Applaus begrüßt - ergreift Beatríz, genannt Betti, das Wort. Sie ist Leiterin eines Collegios und bei PACAI zuständig für alle Themen rund um die Bildung der Kinder und deren Wiedereingliederung in den regulären Schulbetrieb. "Für ein Taschengeld", wie alle festen Mitarbeiter.

Gabriele beim Kennenlernen
Flavio eröffnet den Abend

Kennenlernen
Profesora Beatriz

Betti leitet ein Kennenlernspiel an, eine Art Reise nach Jerusalem: alle bewegen sich im Raum, wenn die Musik stoppt, muss man sich mit seinem aktuellen Gegenüber  zu einer bestimmten Frage austauschen. Dabei geht es immer um das Wohl der Kinder und ihre Bildung 

Auweia.Unsere Kinder sind aus dem Alter lange raus. Theoretisch zumindest. Meine jeweiligen Gesprächspartnerinnen - es gibt drei Stopps - reichen mir gerade so bis etwa Hüfthöhe und scheinen eher fluchtbereit. Und es funktioniert. 

Wir kennen Flavio, "el Ingeniero", wie Betti ihn nennt, nun schon seit unserem ersten Besuch hier. Er hat uns auf unvergessliche Ausflüge mitgenommen - z.B. ins Frauengefängnis! - , durch ihn haben wir Ecken in und um Cusco kennengelernt, die wir als Normaltouristen niemals gesehen hätten. Und ich habe ihn in all den Jahren wiederholt im Umgang mit krebskranken Kindern und ihren Familien erlebt: immer zugewandt, interessiert, humorvoll, Hoffnung spendend. An diesem Abend durchfährt es mich: Flavio, Du bist ein moderner Heiliger.

Bei dieser Veranstaltung erfahren wir persönlich und hautnah, wofür unsere Spenden verwendet werden, wie mit dem Geld gearbeitet wird. Nach etwa einer Stunde - Betti hat darüber referiert, wie wichtig Bildung und Teilhabe für die erkrankten Kinder sind, zwei Mütter ihre Erfahrungen geteilt -verabschieden wir uns, mit etwas schlechtem Gewissen. Wir haben noch nicht gegessen.  

Montag, 7. September 2026

Bienvenido en Cusco

 Cusco begrüßt uns wie immer: mit einer Parade.

Zunächst besuchen wir Acupari, unsere Schule, um unseren "Lehrplan" für die nächsten Tage zu besprechen. Anschließend gehen wir ein Stück mit Flavio, der wie so oft immer wieder telefoniert und sich dann eilig verabschieden muss. Um uns herum das bekannte Gehupe. Am Qorikancha formiert sich dann gerade eine - wir würden sagen - Trachtengruppe, um über die Avenida del Sol zur Plaza de Armas zu ziehen. Das Hupen wird nicht weniger dadurch. Wir haben den gleichen Weg. 

Kurz vor der Plaza stoßen wir auf weitere Gruppen, die vom Plaza St. Francisco her kommen. Bunt, laut, fröhlich - was wünscht man sich mehr zur Begrüßung? Und das an einem Montag!


Ein junger Peruaner aus dem Publikum erklärt uns, es wäre zu Ehren der Jungfrau Maria. Was die vorangetragenen Standarten belegen. Nichtsdestotrotz - schließlich ist es unser erster Tag hier nach vielen Jahren. 

P.S. 
Heute, am Dienstag, finden schon wieder Umzüge statt. Auf Nachfragen erzählt man uns, dass eine Gemeinde (!) ein Fest feiert, das eine ganze Woche dauert. Es geht also weiter.

Mit denen mal zum Weckumzug!

Tschüss!

Ein Wort, das für Südamerikaner (und andere Menschen) schwer auszusprechen ist. Am Anfang der Zischlaut, ein unaussprechliches Ü in der Mitte, noch ein scharfes S - nicht zu bewältigen. Aber der Reihe nach ...

Genara möchte von uns ein paar Wörter Deutsch lernen (wie übrigens etliche der Menschen, mit denen wir in Kolumbien und Peru ins Gespräch kommen). Guten Tag, Guten Abend, ... und so weiter. Dann kommt es: "Tschüss!" Auweia. Der eine (Alejandro, ihr Sohn) bringt es sofort fast perfekt heraus. Genara braucht mehrere Versuche (hat Lucy es schon mal geschafft?). 

Alejandro und Genara

Aber das Wort fasziniert. Jeder, dem wir begegnen, bekommt von Genara "Tschüss!" zu hören. Und fragt natürlich, was das heißt. Um es dann selbst zu probieren. Mit den entsprechenden (siehe oben) Resultaten. 

So begegnen wir zwei ehemaligen Arbeitskollegen Genaras bei einem Spaziergang. Dazu gesellt sich noch ein Motorradpolizist, der die beiden kennt. Eine angeregte Unterhaltung entsteht - man hat sich jahrelang nicht gesehen, uns kennt man sowieso nicht, Stichwort Exoten (Deutsche, die halbwegs verständlich Spanisch sprechen) - und zum Ende dann ein "Tschüss". Die erwähnte Rückfrage endet mit einer allgemeinen Sprechprobe, einer der Exkollegen imitiert einen Nieser, prompt erfolgt unser "Salud". Allgemeines Gelächter.

Innerhalb Genaras Familie, bei einem Kurzbesuch ihres Bruders Hector, das gleiche Spiel. Am Ende verabschieden sich alle mit "Tschüss!" Mal schauen, wie weit sich der Gruß in Kolumbien verbreitet.

Links Genaras Bruder Hector, rechts seine Frau Gloria 
und deren Nichte Isabella. Der Rest sollte bekannt sein.

Tschüss hieß es dann auch am Flughafen Bogota. 
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Exoten

Ganz klar: die Exoten sind wir. Es ist immer wieder amüsant, wie wir von den Menschen hier bestaunt werden. Im Bus, im Laden, auf den Straßen, selbst am Flughafen. Ich formuliere irgendwann: "Sie gucken, als kämen wir von einem anderen Stern."

Die bisher witzigste Situation: beim Sicherheitscheck in Bogotá stehen vier ziemlich junge Security-Frauen am Band.

Ich gehe durch den Scanner, es piept. Vor mir steht eine junge  Frau von der Security mit dem Handscanner und starrt mich an. Empört, oder streng, finde ich. Ich taste schuldbewusst alle Taschen noch einmal ab, nehme automatisch die Arme zur Seite. Sie winkt mich nur nach links. Ich schaue irritiert zu ihrer Kollegin am Band mit dem Handgepäck. Sie starrt mich ebenfalls an, als würde sie mich nachäffen. Ebenso wie ihre Kollegin und die vierte im Bunde am Monitor. Ich kapiere nicht, was los ist. Frage sie, "Nichts, alles in Ordnung". Ich kann meine Sachen vom Band nehmen

Sie erstarren förmlich, als sie Edgar sehen. Im Weggehen hören wir, wie sie versuchen, sich leise über "el hombre alto de pelo blanco" (den großen Mann mit seinen weißen Haaren) zu unterhalten. Als ihnen bewusst wird, dass wir sie verstehen, kichern sie verlegen und aufgeregt. Sie schauen uns lange nach, und im Weggehen hören wir sie immer noch schnattern über den großen Mann und seine weißen Haare.

So ist das, wenn Exoten unterwegs sind. 

In Frankfurt am Flughafen hat uns der Einracht-Flieger verabschiedet, 
in Bogota die Maschine der  kolumbianische Nationalmannschaft

 

Unterwegs in und um Bogota

Eine Haltestelle in der Hauptverkehrszeit

Wer ein Land kennen lernen will, sollte die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen (nein, das wird jetzt keine Abrechnung mit der Deutschen Bahn). Jedes Land hat seine eigenen Lösungen, nirgendwo sonst kommen wir dem "Puls" einer Stadt, eines Landes so spürbar nahe. 

In Bogota kommt man auch, dank überwiegend eigener Busspuren, einigermaßen zügig vorwärts, sogar in der hora pica, der Rush hour. Genauer gesagt: gerade dann. Auf teilweise aufwendigen Brückenkonstruktionen erreichen die Fußgänger die Mitte der Ausfallstraßen, wo sich die Haltestellen befinden an denen die teilweise sehr langen Gelenkbusse der Metrolinea für die längeren Strecken halten. Kleinere Busse übernehmen dann die "Verteilung" in die einzelnen Stadtteile. Wir warten nie länger als 8 Minuten auf den Bus.

"Unsere" Haltestelle an der Calle 146
Mit Danae und Genara auf dem Weg ins Zentrum

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