Freitag, 18. September 2026

Ab durch die Wüste

Zwischen Nazca und Ica

Wir verlassen Nazca um 14 Uhr, vorbei am Mirador und dem Museum Maria Reiche, den Zielen unseres gestrigen Ausflugs.

 

Die Strecke nach Pacaras über Ica, die Hauptstadt des gleichnamigen Departements, führt durch Wüste. Es ist der nördlichste Ausläufer der Atacama-Wüste. Trotzdem ist es ein wichtiges Anbaugebiet für Obst, Gemüse (u.a. Spargel) und Wein. 

Schon in präkolumbianischer Zeit wurde hier mittels ausgeklügelter Bewässungssysteme allerlei angebaut. Allerdings ausschließlich soviel, wie das verfügbare Wasser her gab: in der Region regnet es im Schnitt 20 mm pro Jahr! Das benötigte Wasser stammt aus den Bergen und versickert hier im Karst, von wo es wieder herausgepumpt wird. Mit moderner Technik natürlich mehr als früher. Und mehr, als dem Grundwasser gut tut.


Wir fahren also nicht nur durch Wüsten-, sondern auch durch blühende Landschaften. Die erwähnten Weinfelder, Kakteen, Palmen, Reis, Spargel ... Viel davon für den Export. Leider kein Wein, der reicht gerade für den Eigenbedarf.

Weinfelder bei Ica

Mit sinkender Sonne nähern wir uns Paracas, der Horizont wird orange ... Leider lässt sich das aus dem Bus nicht so gut fotografieren. Aber morgen am Strand! 

Abendstimmung kurz vor Paracas

 

Donnerstag, 17. September 2026

Kommunalwahlen in Peru

Wir hatten schon mal erwähnt, dass in Peru demnächst - Anfang Oktober - Kommunalwahlen stattfinden (Bürgermeisterwahlen, so scheint es uns) und derzeit der laute, bunte und irgendwie fröhliche Wahlkampf "tobt". Und plötzlich stecken wir mittendrin. 

Wahlkampf mit einem Extranjero

Auf unserem letzten Spaziergang durch Nazca - unser Bus wurde aus betrieblichen Gründen  storniert, die nächste Abfahrt erfolgt erst um 14 Uhr, wir haben also mehr Zeit als erwartet - kommen wir an einem Wahlkampfbüro vorbei. Also fast. Wir sind plötzlich von Menschen mit Werbe-T-Shirts und entsprechenden Käppis umringt, ich bekomme eins in die Hand gedrückt, alle gruppieren sich zum Foto um mich. Keine Ahnung, wem ich da möglicherweise zur Macht verhelfe. 






Es sind nicht nur Plakate, die für die Kandidaten werben. In Cusco drückt man uns - obwohl nicht wahlberechtigt - auf dem Plaza Tupac Amaru Buttons in die Hand, die praktischerweise auch als Kapselheber dienen. Hier in Nazca sind es vor allem fahnengeschmückte Pickups mit sehr lauter Musik und ohrenhörlich angepassten Texten, in der Regel den Namen des jeweiligen Kandidaten proklamierend, die überall in den Straßen präsent sind. Ganz abgesehen von Plakaten und Wandmalereien.

Vista Alegre

Wir sind mittags zurück im Hotel und beschließen, jetzt doch den 30minütigen Fussmarsch zur "Schönen Aussicht", einem Stadtteil von Nazca, zu unternehmen. 

Der Rio Grande de Nazca

Wir überqueren zunächst auf einer Fußgängerbrücke den Rio Grande de Nazca.  Der keinen Tropfen Wasser führt. Hier regnet es ja bekanntlich nie - obwohl, am Abend, als wir vor dem Essen noch einen Spaziergang machten, kamen tatsaächlich ein paar Tropfen herunter! Wenn, dann kommt Wasser aus den Bergen hier an. Mitunter mehr, als einem lieb ist.

Der Hornbach von Nazca

Endlich wieder richtige Bürgersteige!
Danach geht es eine sehr staubige, überwiegend von LKWs befahrene Straße entlang weiter. Es scheint so eine Art Baumarkt-Viertel zu sein, mit den zum Hausbau notwendigen Materialien: Bambus, Holz, Flechtmatten und Zement bzw. Mörtel. 

Weiter geht's in das Viertel hinein bis zum Plaza Mayor. Warum der den Beinamen "Touristica" trägt, erschließt sich uns nicht. Vielleicht wegen des Denkmals von Maria Reiche im Zentrum und den Darstellungen der bekanntesten Symbole der Lineas?    

Die Statue von Maria Reiche am Plaza Mayor

Eine Bühne vor dem Rathaus ist für einen Wettbewerb vorbereitet und geschmückt: Concurso Canino, (Schönheits?-) Wettbewerb für Hunde, daneben eine Art Open Air Restaurant mit einem riesigen Asado, einem Grill voller Fleisch.
 

Die Bühne für den Hundewettbewerb

Fleisch vom Grill



Sie sind - natürlich - überall im Stadtbild zu finden: die Geoglyphen von Nazca



Mittwoch, 16. September 2026

Nazca: Las Lineas


Der alte Aussichtsturm "Torre Maria Reiche"

Deswegen sind wir hierher gekommen: wegen der legendären Linien von Nazca.

Um 8:30 Uhr holt uns unser Guide César León im Hotel ab. Wir fahren zunächst auf der Panamericana ein ganzes Stück aus der Stadt Nazca heraus. Die Landschaft ist ziemlich plan, umrandet von Bergen. Dazwischen einige rostrote Hügel - wie geschaffen für einen Raumflughafen!

Ich erinnere mich, dass ich mit 10, 12 Jahren den damaligen Bestseller "Erinnerungen an die Zukunft" von Erich von Däniken gelesen und das erste Mal von den Nazca-Linien gehört hatte. Er interpretierte sie als Landebahnen für Außerirdische, einige Darstellungen von Personen in zeremonieller Kleidung als Astronauten. Als Knirps und Perry-Rhodan-Leser war ich von seinen Ideen begeistert.

Erster Programmpunkt ist der Besuch des Museums Maria Reiche. Dieses besteht im Wesentlichen aus dem im Original erhaltenen Haus der Forscherin nebst Einrichtung und Original-Fahrzeug - mittlerweile allerdings mit platten Reifen. Außerdem Originalskizzen, Arbeitswerkzeuge, etc.

Der Kassierer im Museum vergeicht mich mit  .... ich verstehe es nicht, es geht mal wieder um meine  Größe und meine Haare. Als ich später im Auto bei César nachfrage, erklärt er mir: "Hulk Hogan incognito ohne Schnurrbart". Der Wrestler, nicht das grüne Monster. Aber den Namen gesprochen wie geschrieben, mit spanischem Akzent. Daher die Verwirrung.

Bei uns ist es etwas so: Edgar ist der "Fachmann" für Antikes, für alte Kulturen und Mythen, für Trümmer aller ArtIn all unseren Jahren bin ich häufig mitgetrottet und habe mich dann doch anstecken lassen von der Begeisterung.

Mit César im Museum Maria Reiche

Ich wusste nur ungefähr, was mich bei den Nazca-Linien erwartet. Und wieder einmal hat es mich förmlich weg gerissen: die teilweise mehr als zweitausend Jahre alten Bilder, exakt in den steinigen Boden gekratzt, voller Ausdruck und Schönheit. Und die Geschichte um die deutsche Forscherin Maria Reiche, die hier hoch verehrt wird. Die im vergangenen Jahrhundert für die Nasca-Linien brannte. Die alle Linien (!) mit dem Besen frei gekehrt hat, um sie sichtbar zu machen - das hat mir die Sprache verschlagen.
Unsere Welt bietet immer wieder Überraschungen!

 

Maria Reiches Arbeitszimmer ...
... mit Bett
Ihr VW-Bus, Nachfolger ihres VW-Käfer

Danach geht es weiter bzw. zurück zu einem Aussichtsturm, von dem aus wir dann einen Blick auf einige der Linien werfen können.

Karte mit Turm und Geoglyphen
Über uns kreist eines der Flugzeuge, mit denen man die Scharrbilder aus der Vogelperspektive betrachten kann. Uns reicht die "Giraffenperspektive", um ausreichend beeindruckt zu sein. César erzählt uns ungefragt, dass das kürzlich abgestürzte Flugzeug aus Paracas kam. "Einem Flieger aus Nazca passiert das nicht". Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir die Bilder und Linien aus der Nähe "erleben" wollten. 

Die Eidechse
Die Hände. Interessanterweise mit 9 Fingern:
Maria Reiche hatte nach einer Infektion einen verloren.


Der Baum

Die Nazca-Katze war durch Erosion schon fast verschwunden, 
bevor sie 2020 wiederentdeckt wurde



Beim Bau der Panamericana wurde auf die Linien 
nicht geachtet. Sie geht schnurgerade hindurch.













Dienstag, 15. September 2026

Nazca

Nazca hat "die Linien". Deswegen sind wir hier. In der Stadt selbst entdecken wir auf Anhieb nichts, was uns vom Hocker reisst. Zumindest in der Nähe unseres Hotels und der Plaza de Armas. Allerdings scheuen wir auch den Fußmarsch zum Stadtteil "Nueva Villa" mit dem Distrikt namens Vista de Alegre, was man mit "Fröhlicher Anblick" übersetzen kann. Dort gibt es auch noch einen Plaza Mayor Touristica de Vista Alegre. Der Name ist vielversprechend, aber 30 Minuten Marsch bei 30 Grad durch sehr staubige Straßen ... Wir werden morgen genug unterwegs sein. Dafür, wofür wir gekommen sind.

Es ist Kommunalwahlkampf in Peru. 
Das haben wir bereits in Cusco mitbekommen. Wahlkampf hier ist laut und bunt. 


Montag, 14. September 2026

Weiter geht's

Cusco verabschiedet uns, wie es uns begrüßt hat: mit einer Parade. Als unser Taxi uns am Terminal der Linie Cruz del Sur absetzt, findet an den Busbahnhöfen rund um den Pachacutec gerade eine Parade zu Ehren des Señor de Huanca statt, der für Fahrzeuge aller Art zuständig ist. Er hat ein Heiligtum nahe Cusco, in dem jeder Besitzer eines neuen (auch gebrauchten) Autos dieses geschmückt vorführt und segnen lässt. Flavio hatte uns bei einer unserer früheren Reisen dorthin mitgenommen. 

Die Parade für den Señor de Huanca

Seit Tagen schon sehen wir zu Ehren des 
Señor de Huanca geschmückte Autos in Cusco herum fahren.

Laut Ansage verzögert sich die Abfahrt wegen der Festlichkeit. Pünktlich um 17 Uhr rangiert der Bus aus der engen Hofeinfahrt auf die volle Straße. Auf der Fahrt aus Cusco heraus passieren wir die nächste Parade.

Um 7:45 Uhr am Dienstagmorgen fährt der Bus auf den Hof des Terminals in Nazca.

Im Hof des Bus Terminals in Cusco
 

Mit der Familie nach Peru

In Acupari haben wir die Familie Jatzke kennengelernt: Vater Philipp, Mutter Theresa, zwei Jungen, Jonathan und Friedrich, und zwei Mädchen, Katharina und Lisbeth. Alle lernen mehrere Monate lang hier Spanisch, um dann für drei Jahre in Peru zu leben und zu arbeiten. Vater Philipp ist Arzt und wird als solcher in einem Hospital in Curahuasi arbeiten (wer will, kann hier mehr erfahren: Jatzkes in Peru)

Wir treffen uns regelmäßig in den Unterrichtspausen, unterhalten uns, bzw. versuchen, die neugierigen Fragen der Kinder zu beantworten 😄

Am Montag, als wir uns verabschieden wollen, fehlen zwei: Philipp und Friedrich haben sich wohl irgendwas eingefangen. Schade. Gute Besserung!

Familie Jatzke, derzeit noch in Cusco