Montag, 14. September 2026

Cusco: Adios! oder Hasta la proxima!?

Heute geht's weiter nach Nazca. Wir verabschieden uns von Cusco. Bei unseren letzten Besuchen war es immer unser Wunsch, wieder zu kommen. Und diesmal?

Wir haben nichts, aber auch gar nichts besichtigt. Waren nicht mal in Saksaywaman! Sind in den Straßen rum gestromert, haben ab und zu mal in Märkte hinein geschnuppert. Und haben uns mit ganz viel Menschen getroffen. Hatten tolle Gespräche mit bis dahin Unbekannten, herzliche Treffen mit Bekannten, mit Freunden. Haben uns wohl gefühlt. Toll war's. Lassen wir es mal dabei. Alles andere wird sich zeigen.

Die Kathedrale von Cusco

Eine letzte Parade, auch der örtliche DLRG nimmt teil 

Compania de Jesus



Qorikancha


Die Compania am Abend

Pollo a la brassa

 

Es gilt als obligatorisch, in Cusco zumindest einmal ein Grillhähnchen zu essen. Die Hähnchen dort, wie überhaupt in Peru, sind gigantisch. Wer so vermessen ist, für sich alleine ein halbes zu bestellen, wird seine Mühe haben. Oder sich freuen, je nach Vielfraß-Faktor. Wir sind mit einem Viertel mehr als gut bedient. 

In einer Polleria am Plaza San Fernando nahe unseres Hotels lassen wir es uns schmecken. Das Hähnchen ist außen knusprig und innen saftig, wie es sein soll.

Wir sind die einzigen Nicht-Peruaner in dem Lokal. Auf den beiden Fernsehern an den Stirnseiten läuft ein Spiel eines der lokalen Vertreter in der 1. Liga, Garcilaso Cusco, gegen Sport Boys Callao. Nach und nach füllt sich der Raum. Später kommt noch ein Bettler, der sich die Reste von den Gästen aushändigen lässt. Keiner stört sich daran.  

Sonntag, 13. September 2026

Karina

Karina ist für uns eine ganz besondere Person: sie war unsere erste Spanisch-Lehrerin hier in Cusco. Später arbeitete die studierte Psychologin bei PACAI und betreute krebskranke Kinder und ihre Familien. Trotzdem unterrichtete sie uns weiterhin - es muss ihr wohl etwas an uns liegen, meinen wir. Ganz ohne Eitelkeit. 

Heute ist sie beim Frauenministerium angestellt und führt Kurse zur Gewaltprävention durch - mit Männern, die bereits gewalttätig geworden sind. Und für die die Alternative wohl der Knast wäre. Wenn man sie so sieht, klein und zierlich - ihre Kraft steckt nicht in den Muskeln.

Als sie von unserem Aufenthalt in Cusco erfuhr (wir hatten Flavio gebeten, mit ihr Kontakt aufzunehmen), meldete sie sich sofort bei uns um ein Treffen zu vereinbaren. 

Wir haben sie sieben Jahre nicht gesehen, und es ist sofort unglaublich herzlich und vertraut. Natürlich gibt es viel zu erzählen. Und weil der Abend so kurz ist, haben wir uns mit am Sonntag Vormittag gleich noch mal mit ihr getroffen. 



Abschied an der Bushaltestelle 


Samstag, 12. September 2026

Manos limpias

Saubere Hände. So einfach kann es sein: saubere Hände retten Leben. Vor allem von Kindern. 

Wir sitzen im Patio und lesen Nachrichten (die Eintracht führt in Mainz 2:0), als uns der Rezeptionist des Hotels ein paar Fotobücher auf den Tisch legt. Ob uns das interessiert. Sie zeigen Kinder in Peru, die  unter anderem zu Weihnachten beschenkt werden. Etwas später erklärt uns auf Nachfrage ein anderer Mitarbeiter des Hotels, was sich dahinter versteckt. Jeden Tag (!) würden weltweit tausende von Kindern an Diarrhöe sterben. Deswegen unterstützt das Hotel Marqueses in Cusco, unser derzeitiges Domizil, zusammen mit weiteren Reiseagenturen mit einem Teil seiner Gewinne ein Programm zur Hygieneerziehung: Manos limpias. "Wer hier als Gast wohnt, finanziert das Programm mit", erklärt er uns.  

Das ist aber nicht die einzige gute Tat: samstags bekommen bedürftige Kinder hier im Hotel ein kostenloses Frühstück und zusätzlich noch Hilfe beim Lernen für die Schule. 

Wer immer also plant, mal nach Cusco zu kommen und eine Unterkunft sucht: wir empfehlen das Hotel Marqueses  in der Calle Garcilaso No. 256, nicht nur wegen der Lage und dem traumhaften Ambiente! 

Freitag, 11. September 2026

Mari und Lili

Es ist Freitag, unser letzter Schultag. Nach 4 Tagen - so wenig Unterricht hatten wir noch nie hier in Cusco - verabschieden wir uns von unseren beiden Lehrerinnen, die sich die Last unserer Weiterbildung teilten. 

Jede auf ihre ganz eigene Art, mit Geduld und Humor, brachten sie uns vor Allem zum Reden, erzählten aber auch viel vom Leben hier in Peru und in Cusco im Speziellen. Und korrigierten natürlich noch alle Grammatikfehler. Muchas Gracias!

Mari ...

... und Lili

Mari zitiert gerne ihren Neffen, der in Zentralperu lebt. Irgendwo zwischen Huanuco und Huancayo. Dort ist die Gesellschaft wohl bis heute stark matriarchalisch organisiert. Die Frauen tragen die Verantwortung, verdienen das Geld. Und die Inkas, stellt ihr Neffe klar, seien keineswegs so friedlich gewesen, wie es so oft erzählt wird. "Das waren keine Hippies, die die anderen Völker mit Blumen überzeugt haben", sie führten durchaus blutige Eroberungskriege.

Wir leben in einem Palast


Tatsache. Unser Hotel ist ein 400 Jahre altes Gebäude im Kolonialstil, das vom Zuschnitt der Räume ein solcher gewesen sein muss. "Marqueses", der Name ist Programm. 

Allein unser Zimmer dürfte gefühlt die Ausmaße unseres Hauses in Deutschland haben. Auch in der Höhe. Und das gesamte Mobiliar wirkt so, als stehe es hier seit der Erbauung. Jeden Tag entdecken wir neue Details. Ein liebevoll restauriertes Balkongeländer, an dem jeden Tag gearbeitet wird, die geschnitzten Türen und Holzläden, Schränke, Stühle ...


Abgesehen von dem musealen Umständen ist das Personal freundlich, das Frühstück gut und ausreichend (vor allem der Kaffee!), die Lage nahezu unschlagbar und der Preis trotzdem nicht so hoch. 

Von unserer Zimmertür schauen wir auf den Christo Blanco über Cusco. Tagsüber ...

 

... und am Abend

Eine Kopie der Abendmahlsszene 
aus der Kathedrale hängt im Frühstücksraum


La Marquesa auf der Galerie, dem Corredor

Unser Zimmer. Einfach riesig!

Der Corredor vor unserem Zimmer

Blick vom Balkon zur Kathedrale von Cusco

Einer unserer Fensterläden

Blick in einen der beiden Patios



 

Donnerstag, 10. September 2026

Eine Wette auf das Leben


Flavio hat uns zu einer Art Elternabend eingeladen.Er ist, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, Leiter von PACAI, eines Vereins, der sich um an Leukämie erkrankte Kinder und ihre Familien kümmert.

Das Treffen finder im "Cafe Berlin" statt, dem Kommunikationszentrum von Acupari.

Ich habe den Raum in schlechter Erinnerung: hier musste ich mit einer Stewardess aus Deutschland Salsa tanzen (oder es zumindest versuchen). Der Tanzlehrer meinte, Gabriele passe nicht zu mir. Größenmäßig. Ich finde, Salsa passt nicht zu mir.

Das Treffen ist für 18:00 Uhr angesetzt, "hora peruana", wie Flavio meint. Bis 18:30 trudeln Eltern  erkrankter Kinder und PACAI-Mitarbeiter ein. Nach der Eröffnungsrede - wir werden als langjährige Freunde und Unterstützer von PACAI vorgestellt und mit Applaus begrüßt - ergreift Beatríz, genannt Betti, das Wort. Sie ist Leiterin eines Collegios und bei PACAI zuständig für alle Themen rund um die Bildung der Kinder und deren Wiedereingliederung in den regulären Schulbetrieb. "Für ein Taschengeld", wie alle festen Mitarbeiter.

Gleich geht es los im Cafe Berlin

 

Gabriele beim Kennenlernen
Flavio eröffnet den Abend

Kennenlernen
Profesora Beatriz

Betti leitet ein Kennenlernspiel an, eine Art Reise nach Jerusalem: alle bewegen sich im Raum, wenn die Musik stoppt, muss man sich mit seinem aktuellen Gegenüber  zu einer bestimmten Frage austauschen. Dabei geht es immer um das Wohl der Kinder und ihre Bildung 

Auweia.Unsere Kinder sind aus dem Alter lange raus. Theoretisch zumindest. Meine jeweiligen Gesprächspartnerinnen - es gibt drei Stopps - reichen mir gerade so bis etwa Hüfthöhe und scheinen eher fluchtbereit. Und es funktioniert. 

Wir kennen Flavio, "el Ingeniero", wie Betti ihn nennt, nun schon seit unserem ersten Besuch hier. Er hat uns auf unvergessliche Ausflüge mitgenommen - z.B. ins Frauengefängnis! - , durch ihn haben wir Ecken in und um Cusco kennengelernt, die wir als Normaltouristen niemals gesehen hätten. Und ich habe ihn in all den Jahren wiederholt im Umgang mit krebskranken Kindern und ihren Familien erlebt: immer zugewandt, interessiert, humorvoll, Hoffnung spendend. An diesem Abend durchfährt es mich: Flavio, Du bist ein moderner Heiliger.

Bei dieser Veranstaltung erfahren wir persönlich und hautnah, wofür unsere Spenden verwendet werden, wie mit dem Geld gearbeitet wird. Nach etwa einer Stunde - Betti hat darüber referiert, wie wichtig Bildung und Teilhabe für die erkrankten Kinder sind, zwei Mütter ihre Erfahrungen geteilt - verabschieden wir uns, mit etwas schlechtem Gewissen. Wir haben noch nicht gegessen.