Mittwoch, 23. September 2026

Wellenrauschen

Ein Besuch am Pazifikstrand gehört einfach dazu. Der Weg dorthin ist nicht weit - aber laut. Nicht nur der übliche Autoverkehr und das Hupen sorgen für die Lärmkulisse, überall sind Presslufthämmer zu hören. Ein Restaurant wird im laufenden Betrieb umgebaut - mit dem Presslufthammer. Eine Straße wird saniert, während der Autoverkehr weiterläuft - es dröhnt der Presslufthammer. Ein Bürogebäude, hinter Planen verborgen, wird .... was auch immer, aber mit dem Presslufthammer.

Leider kein Zugang
Am Strand dann eine kleine Entäuschung: "Unser" kleines Kap wird gerade mit einer neuen Aussichtsplattform verschönert. Kein Zugang. "Hombres trabajando". Überraschenderweise ist hier kein Presslufthammer im Einsatz, sondern ein echter Hammer!

Es geht auch ohne Pressluft!

 


Wir müssen uns also zwischen Baustelle und Straße durchschlängeln, um ein Plätzchen am Strand zum Genießen der Wellen zu finden.

Pazifik von rechts, mit der Sonne

Pazifik von links, gegen die Sonne

 

 

 

Und noch mal frontal. Leider ohne Ton.

 

Museo del Oro

Die Venus von Frias
Püntlich um halb elf holt uns Ronald, unser Fahrer in Lima (auch schon bei früheren Besuchen), am Hotel ab. Es geht zum oben genannten Museum.

Der Verkehr in lateinamerikanischen Metropolen ist nichts für schwache Nerven - selbst mal hier Auto fahren? Niemals!
Unsere Fahrt zum Museum sowie die Rückfahrt sind ein Abenteuer für sich: aus einer Fahrspur werden auch mal drei oder vier, spontane Spurwechsel gehören dazu, kreatives Überholen ebenfalls. Dazu kommen noch Motorräder und -roller, deren Fahrer scheinbar alle eine Ausbildung zum Stuntman gemacht haben. Und todesmutige Fußgänger, die in diesem Chaos die Straßenseiten wechseln. Als wäre das nocht nicht genug, wird auch noch permanent gehupt: laut von den Autofahrern, quäkend von den Zweirädern, trötend von Bussen und Lkw. Sie hupen, weil sie sich ärgern, weil sie ungeduldig sind, weil sie als Taxifahrer Fahrgäste suchen. Sie hupen - weil sie es können.
Plötzlich auf dem Mittelstreifen: ein Mensch in Vollmaskierung als Spiderman. Er überquert hinter uns die Straße. Ich frage unseren Fahrer, was das bedeutet. Ungerührte Antwort: "Der bettelt." Und tatsächlich, als ich mich umdrehen, sehe ich, wie er seine Hand in die offenen Autofenster hält.
Der vollständige Name des Museums lautet "Museos Oro del Peru y Armas del Mundo". Ein Sammler hat nicht nur goldene Artefakte aus Peru, sondern auch Waffen aller Art und aus aller Welt zusammengetragen, die hier ausgestellt werden. Neben Karl-May-tauglichen Flinten finden sich Samurai-Rüstungen, Schwerter und Lanzen aller Art, Helme, Schilde, Kanonen, etc. Auch Erinnerungsstücke an die kubanische Revolution. 
Eine Kalaschnikow aus Kuba


Sieht ein bißchen aus wie Mykene, ist aber aus Peru

Das, was heute an Werken aus Gold in Peru präsentiert wird, stammt überwiegend aus Gräbern. Das Gold der Tempel haben die Spanier abtransportiert - alleine aus dem Qorikancha, dem Sonnentempel in Cusco, sollen es mehrere tausend Tonnen gewesen sein. Für die Inka und ihre Vorfahren hatte das Gold keinen materiellen Wert, lediglich ideellen. Es waren die "Tränen der Sonne". Die Spanier sahen das anders und brachten geschätzt hunderte von Millionen Gegenstände daraus nach Spanien. Zumindest den Teil, der vorher nicht auf dem Meeresgrund landete oder Piraten in die Hände fiel. 

Goldene Flasche mit zwei Ausgüssen
Eine Tasche für Coca-Blätter

Gut gesichert

Federkrone der Chimu, einer Prä-Inka-Kultur




 

Dienstag, 22. September 2026

Lima

Unsere letzte Station. Sonntag Nachmittag kommen wir an, bis Donnerstag bleiben wir. In unserem Hotel, sehr zentral in Miraflores in der Nähe des Parque Kennedy gelegen, fühlen wir uns etwas fremd: es wird überwiegend von Backpackern der Generation U30 frequentiert. 

Ich habe das Gefühl, wenn wir das Hotel betreten, werden wir angestarrt als wären wir die Kontrolleure vom Jugendamt.

Von allen unseren Hotels bietet es jedenfalls das abwechslungsreichste Frühstück insgesamt. Es gibt mal Reis, mal Bohnen, Kartoffeln, Champignons, das obligatorischen Rührei und Würstchen. Neben den immer gebotenen frischen Früchten. Ich decke hier in Peru meinen kompletten Bedarf an Ananas - soviel esse ich sonst das ganze Jahr nicht.  

Und die Einrichtung ist im Detail schon sehr originell. Lautsprecherboxen zu einer Theke  zusammengebaut, ein alter Käfer als Rezeption zusammengeschweißt ....

Flurlicht

Rezeption

Paddington in Peru. 

 

 

 

 

 

 

Der Montag ist "frei", wir streifen durch die Stadt (genauer gesagt den Stadtteil), orientieren uns neu. Gehen an den Pazifik, genauer gesagt, an den Rand der Klippen.

Auch der ist schon hier


Wie immer besuchen wir den Parque de Amor

 Wo sonst wenn nicht hier?


Gleitschirmflieger am Klippenrand


Selbstverständlich gehen wir in den "Katzenpark" John F. Kennedy, stromern durch Märkte. Kaufen uns einen Quipu - natürlich einen Nachbau für Touristen. Der hatte uns schon bei unserem letzten Besuch fasziniert.
 
Ein echter Quipu im Museum der Oro
Auch hier: Wahlkampf
 
Und stellen fest, dass es wieder eine andere Welt ist als in den Tagen zuvor.
 

Hier kann man Smartphones, Tablets, etc., reparieren lassen

Da wollen wir noch hin: unser ganz persönliches Kap am Pazifik.

 

Ein Wort in eigener Sache:

Lieber Juan, Du müsstest stolz auf uns sein. Alle Leute, mit denen wir ins Gespräch kommen, loben uns für unser Spanisch. Entweder sind sie extrem höflich oder der Unterricht trägt Früchte.

 

 

 



Samstag, 19. September 2026

Tops und Flops

Licht und Schatten
Wie überall, gibt es auch auf unserer Reise Licht und Schatten. Wobei für uns das Licht bei weitem überwiegt.

👍 Ein junger Mann läuft in Cusco hinter uns her und ruft: "Señora, Señora!" Ich bin irritiert und etwas erschrocken. Er hält mir lachend das Etui meiner Sonnenbrille hin - es war aus meiner Tasche gerutscht. Und das, wo man angeblich in Südamerika an jeder Ecke überfallen und beklaut wird!

🇵🇫  

👎 Wir haben bei Flavio und Maria gut und reichlich zu Mittag gegessen. Also: am Abend gibt's nur eine Kleinigkeit, eine Empanada oder einen Hamburger. Wir wählen das kleine Lokal ganz nah bei unserem Hotel. "Ja, klar haben wir Hamburger!". Die stehen nicht in der Karte, aber man versichert uns, dass man uns Hamburger zubereiten werde. Was nach einer gefühlten Ewigkeit kommt, ist die jammervollste Interpretation eines Hamburgers und zugleich das miserabelste Essen, das wir in Perú je vorgesetzt bekamen: ein großes trockenes Brötchen, eine dünne Scheibe Hackfleisch, bretthart und voller Sehnen und Flechsen, zwei traurige kleine Tomatenscheiben, ein paar matschige Pommes. Gewürz? Soßen? Fehlanzeige. Ich kann noch nicht mal ein Viertel davon essen. Das sage ich auch dem Kellner, er drückt sein Bedauern aus.

🇵🇫  

👍 Zunächst wirkt der Rezeptionist in unserem Hotel in Cusco professionell freundlich, aber etwas distanziert. Von Tag zu Tag taut er mehr auf. Findet es toll, dass wir zum Spanischkurs gehen. Streut ab und zu ein paar deutsche Worte ein und freut sich, wenn wir uns freuen. Am Abend vor unserer Abreise meint er, er würde uns sehr vermissen, er hätte uns fest in sein Herz geschlossen. Zum Andenken schenkt er uns einen Magnet-Sticker. Und es kommt zu einer Umarmung. Tags darauf hat er morgens immer noch oder schon wieder Dienst: Abschied / die Zweite. Wieder herzlich, wieder emotional. Als wir nachmittags im Innenhof aufs Taxi zur Bus-Station warten, hat er Dienstschluss. Abschied / die Dritte. Er kommt zu uns in den Patio und bekräftigt erneut, dass wir in seinem Herzen bleiben würden.

🇵🇫 

👎 Wir freuen uns auf unser Hotel in Paracas, das wir schon aus dem Jahr 2015 kennen. Damals hatten wir ein großzügiges, schönes Zimmer. Dieses Jahr? Fehlanzeige. Dass das Zimmer winzig ist: geschenkt. Aber dass es vernachlässigt wirkt und einiges nicht funktioniert, frustriert uns ziemlich.

🇵🇫  

👍 Die Rettung: Ruth, unsere Reiseagentin aus Cusco, die die Reise für uns organisiert, reagiert sofort auf meine WhatsApp-Mitteilung. Sie gibt die Anweisung (!), dass man uns ein anderes Zimmer anbieten möge, und: wir ziehen nochmal um in ein anderes Nebengebäude. Es wirkt, als gehöre das Zimmer zu einem anderen Hotel (vielleicht renovieren sie Trakt für Trakt, wer weiß?): frisch, hell, großzügiger und vor allem: alles funktioniert, wie es soll. Danke, Ruth! 

🇵🇫 

👍 Einer der Hauptgründe, warum wir gerne wieder in das Hotel Emancipador hier in Paracas (das uns zunächst so enttäuschte, s.o.) wollten, war das Frühstück: es gab immer frittierten Fisch und reife, frische Ananas. Zusammen mit gehobelten Zwiebeln eine für unsere Gewohnheiten eher ungewöhnliche Kombination. Zum Frühstück. Und sooo gut! Heute, Sonntag, gibt es Pejerrey, eine Sorte, die hier überwiegend Grundlage für das Ceviche ist. Leider erklärt Wikipedia, dass diese Sorte Fisch nur in Südamerika, die gesamte Familie entlang des amerikanischen Kontinents vorkommt. 

Nationalpark Paracas


Und wieder: Wüste. Was anderes gibt es dort nicht, in der Reserva National de Paracas. Und Küste natürlich, rundherum um die Halbinsel. Also auch Fisch. Köstlichen Fisch. Nur wenige Fischer erhalten dort eine Lizenz zum Fischen, und den Großteil davon verkaufen sie frisch zubereitet an die zahlreichen Touristen: "Im (peruanischen) Sommer von März bis Juni gibt es hier nirgendwo mehr Parkplätze, an den wenigen Badestränden wartet man eine Stunde auf den Einlass", erzählt uns Jhoan, unser Guide. Jetzt, Ende des Winters/Anfang Frühling ist es relativ ruhig und trotzdem gut besucht.
Was die Wüste unter anderem so besonders macht: ihre vielen Farben



Und wieder: Gleitschirmflieger

Parkplatz am Badestrand

Weit hat es der Fisch nicht vom Meer ins Restaurant. 
Mittagsschläfchen


Mittagessen am Meer






Windig war es. Am Tag zuvor gab es hier 
wohl sogar einen Sandsturm



Noch mal: Sonnenuntergang. Irgendwann fiel es uns dann ein, dass wir gerade Ende des Winters habe. Unser letzter Besuch fand im Sommer statt. Deswegen sieht jetzt alles anders aus.

Paracas

Um Viertel vor Acht werden wir im Hotel abgeholt und zur Mole gebracht. Wie schon bei unserem Besuch 2015 werden wir mit dem Boot einen Ausflug zu den Inseln unternehmen, die, bedeckt von Vogeldung, weithin sichtbar weiß aus dem Meer leuchten - sie sind bedeckt von Guano, dem "weißen Gold". Er ist ein guter Dünger und sorgt für ordentliche Einnahmen. Peruanischer Guano gilt als einer der besten in der Welt. 

Fischerboote vor Paracas

In der Bucht vor Paracas begegnen wir Delphinen

Ein alter Bekannter, der Candelabro. Die einzige Geoglyphe, die von der See sichtbar ist und daher auch als eine Art prähistorische Navigationshilfe für Seefahrer interpretiert wird

Olenka, unsere Guya, und César, unser Capitan

Sieht vielleicht nicht so aus, aber die Pelikane sind beim Fischen. Sie erheben sich drei, vier Meter über die Meeresoberfläche um sich dann ins Meer zu stürzen.

Am Nachmittag machen wir einen Strandspaziergang, lassen uns den Wind ins Gesicht wehen, genießen den Pazifik und die Sonne.
Zwei am Meer

Wasserspielplatz

Der seltene und scheue zweiköpfige Pelikan

Wahlwerbung auch hier

 

Hier waren wir dann doch nicht essen

... sondern hier, bei Bruce's, an der Hafenpromenade. 
Sehr gutes Essen, unterhaltsame Wirtin, gute Preise


Gruß an die Hexenzunft Latwerschern!

Nicht ganz so spektakulär wie am Anreisetag. Einen Abend haben wir ja noch.