Dienstag, 16. Mai 2017

Der letzte Pisco in Cusco

Für unseren letzten Abend in Cusco haben wir uns mit unserer Janna zu einem Pisco Sour verabredet. Bereits am Vormittag hatten wir ein kleines Restaurant, wenige Schritte vom Pachacutec entfernt, ausgekundschaftet.
Am Spätnachmittag, es ist schon dunkel, verlassen wir die Feier im Hospital Lorena und machen uns auf den Weg. Christin und Pelo, das deutsche Ärzte-Ehepaar, haben ganz spontan auch Lust auf Pisco Sour und kommen mit., Vor Ort bestellen wir den Cocktail - und dieser wird, wie vieles hier in Peru, ein ganz eigenes Erlebnis.
Zunächst erklärt uns die junge Bedienung, dass die Senora, die den Pisco zubereitet, noch (?) nicht da ist. Das tut sie so nett, dass wir beschließen, zu warten. Und bestellen erst mal zwei Bier - "familiares", also große, die wir unter uns aufteilen. Irgendwann später taucht eine voll bepackte Senora auf, fragt uns, ob wir Pisco mögen, präsentiert uns die Zutaten und fängt an zu mixen. Anscheinend hat sie alles Nötige erst mitgebracht. Nach langer Zeit - die uns keineswegs lange wird, es gibt viel zu erzählen - kommt der Pisco. Schon optisch hat sich das Warten gelohnt. Es dauert aber noch etwas, bis wir anstoßen können: die Senora will erst noch ein Foto von uns machen. Für's Internet. Was immer sie damit meint. Ihr könnt ja mal suchen...
Danke für's Bild, Janna!

Noch mal Muttertag ...

Natürlich gehen wir wieder zum Mercado Wanchaq. Um Laura und ihre Tochter Grace Guadeloupe zu besuchen (meine "Prinzessin" von unserem ersten Besuch 2013). Auch hier gibt es Muttertagsgeschenke für mich, eine ganze Tüten hübscher Ledersächelchen, die der Vater der Kleinen anfertigt. 
Grace Guadeloupe, immer noch bezaubernd, jetzt ein sechsjähriges Schulmädchen

Jetzt allerdings folgt ein Geschenk der ganz besonderen Art: Grace bittet uns in einem rührenden Brief, ihre Paten zu werden. Wir sind zuerst ein wenig ratlos. Das Mädchen und Laura strahlen uns auffordernd an. Also gut. Dann flicht Laura einen Zopf des Mädchens auf. Legt ein dünnes vorgeflochtenes Zöpfchen frei. Drückt mir eine Schere in die Hand. Und bedeutet mir, dieses Zöpfchen abzuschneiden und mitzunehmen, als Zeichen der Verbundenheit. Erst weigere ich mich. Dann fange ich an zu heulen. Und dann schneide ich schließlich den Zopf ab. 
Wir haben ein neues Patenkind!

Muttertag in Peru

Der Dia de Madre beginnt in Peru gut zwei Wochen vor dem regulären Termin (für alle, die es gerne vergessen: es ist der zweite Sonntag im Mai): in jedem Kindergarten, jeder Schule, überall wo es Kinder gibt, wird der Muttertag gefeiert. Unser letzter "Schultag" in ACUPARI (Freitag vor dem Muttertag) endet in einer Feier, es gibt Sekt und Häppchen, jede Mutter bekommt ein kleines Geschenk.

Karina, unsere Profesora, verteilt Häppchen
Völlig unerwartet: in dem Optikerladen, in dem uns vor zwei Jahren geholfen wurde, als Edgar ein Brillenbügel abgebrochen war (wir berichteten: die nette Dame hatte selbst zwar keine Ersatzteile, rief aber einen Kollegen herbei, und der hatte dann eine Lösung parat), fragen wir nach Kontaktlinsen-Flüssigkeit. Es gibt sie dort nicht. Also kann die Senora erneut keinen Sol an uns verdienen. Doch die Frau freut sich über die Maßen, dass wir wieder bei ihr im Laden stehen. Und dann holt sie einige Schachteln hervor, in jeder eine Halskette mit passenden Ohrringen. Ich darfe (MUSS) mir ein Set aussuchen. Zum Muttertag.
Die eindrucksvollste und anrührendste Feier findet jedoch im Hospital Lorena statt, auf der Station für leukämiekranke Kinder. Etwas improvisiert, mit Verspätung, deswegen im Vorraum des Krankensaales statt im Freien ... das alles tut der Stimmung keinen Abbruch. Auf engstem Raum feiern Kinder, Eltern, Mitarbeiter und Freunde eine stimmungsvolle Fiesta - mit Grillhühnchen, Inkakola und Rosewein, Geschenken für die Mamitas, Musik und Tanz. Und vielen Küssen und Umarmungen.

Noch mehr Dschungel...

... in Bildern  




Morgennebel über dem Dschungel
Papayas...

...und Kaffee im Vorgarten, ...
... und der Fluß gleich neben dran
Den prachtvollen Hualpa kann man nicht oft genug zeigen


Das Fernglas ist ein unverzichtbares Utensil...
... wie man sieht
Fährmann hol über!
Wenn man sie schon mal erwischt ...


Ein Bananendieb bei der Arbeit
Tarzan durften wir auch spielen. Bei Ron Ely sah das aber eleganter aus ...

Und immer wieder: Flusslandschaften

Freitag, 12. Mai 2017

Qenti

Qenti ist das Quechua-Wort für Kolibri. Ich kenne kaum jemanden, der von diesen kleinen Vögeln nicht bezaubert wäre. Und wenn ich sie dann mal tatsächlich real und fast greifbar vor mir habe, will ich sie natürlich fotografieren.
Einer der gelungeneren Versuche - man kann zumindest was erkennen

Wie bereits erwähnt: am Ufer des Alto Rio de Madre de Dios tanzen sie zu Dutzenden in verschiedenen Größen (fingernagelgroß der kleinste!) und Farben in den Büschen rund um unsere Lodge. Wir können sie von unserer Haustür aus beobachten. Oder vom Esstisch. Also Fotoapparat raus, Tele dran und ... denkste! Diese M..... sind so schnell, zucken geradezu von einer Blüte zur anderen. Da kommt der Fokus nicht nach. Und wenn, hat er nur eine Blüte oder einen Ast scharf gestellt. Also: Blüte fixiert, gewartet ... und gewartet ... Irgendjemand muss es den Kerlchen verraten haben ...
Findet ihr ihn auf Anhieb?
Die wenigen Bilder, auf denen was zu erkennen ist, erinnern an Elfenmärchen: man sieht sie nicht, aber auf Fotos sind Schemen zu erkennen. Hier ist es allerdings umgekehrt.
Marie, eine der Frankokanadierinnen aus unserer Gruppe, hatte mehr Glück - oder die bessere Kamera. Sie hat mir eines ihrer Bilder versprochen. 

Vom Affen gebissen

Überraschungsgast im 1. Stock unserer Villa ...
Von der Bamboo-Lodge geht es, nach dem Frühstück und einer Führung über die Plantage, weiter nach unten in Richtung Atalaya am Ufer des Alto Rio de Madre de Dios. Die kurze Führung verschafft der Mannschaft die notwendige Zeit, alles wieder zusammen zu packen und im Auto zu verstauen.

"Birdwatching" vor der Bamboo-Lodge
Unterwegs besuchen wir eine Tierstation. Hier werden kranke und verletzte Wildtiere versorgt, Jungtiere aufgezogen. Diese Tiere werden nicht in Käfigen gehalten und können sich frei bewegen. Sei sind sozusagen freiweillig hier.
Gabriele mit Wollaffenbaby

Nein, das Foto ist nicht verkehrt herum
Eines dieser Tiere ist ein Kapuziner-Affe mit, wie wir leider erst später erfahren, einer besonderen Macke: er betrachtet alle weiblichen Wesen als seinem persönlichen Harem zugehörig. Sofort klettert er an Maries Kameragurt hoch, klammert sich an sie. Mein Fehler: ich stehe zu nah und unterhalte mich mit Maries Freundin Emilie. Das passt ihm gar nicht. Er fletscht die Zähne, springt mir an die Hand und beißt mir in den Daumen. Keine Ahnung, wie ich ihn wieder los geworden bin. Jedenfalls ist die Aufregung beim Personal groß. Ein Pfleger kommt sofort mit Sprühpflaster und versorgt die blutende und recht schmerzhafte Wunde, später desinfiziert sie Ronald nochmals gründlich.
Kurz darauf müssen wir noch einmal anhalten - eine Horde Affen überquert die Strasse. Etwa 10 Meter über uns. Ammar ist hin und weg: "Flying monkeys", juchzt er. Wenigsten sind sie weit genug weg - beißen tut keiner. Anschließend vergleichen wir bei der Weiterfahrt die Fotos: Spiegelreflex gewinnt klar gegen Smartphone.
 

In Atalaya werden wir zunächst mit Gummistiefeln versorgt, das Auto wird komplett entladen und  unser Gepäck sowie die komplette Küche auf ein Boot verladen. Unser Fahrer Emerson bleibt zurück: er versorgt das Auto, muss sich unter anderem um die Reparatur des Reifens kümmern, der unterwegs den Geist aufgab. Dafür wird unsere  Mannnschaft um Milton, el Capitan, und seinen Co-Capitan Hector erweitert. Sie werden uns weiter begleiten. Ohne Gummistiefel. Sie bewältigen alles - inklusive der Dschungelpfade! - barfuss.
 
Milton (41) ...

... und Hector (18)

Geschüttelt, nicht gerührt

... oder: Der Weg ins Amazonastiefland

Wie so oft in Peru ist der Weg Teil des Abenteuers – mal geplant, mal ungeplant.
Am frühen Morgen, kurz nach sechs, machen wir uns auf den Weg in den Manu-Nationalpark: Emerson, unser Fahrer (fährt alles in Flip-Flops!), die Köche Elias und Evaristos, und unser Guja Ronald. 
Ronald , unser Guja (Guide)

Emerson, unser Fahrer
Elias und Evaristos
Als Gäste neben uns an Bord: Marie, Emilie und Stephanie, drei Frankokanadierinnen, Nicole aus Hamburg und ihr Freund Ammar aus London. Und wir beide.
Anfangs geht es auf einer Pista – also einer gut asphaltierten Straße – bis auf 3800 Meter, wo in einem kleinen Andenort Frühstückspause ist. Danach gibt es nur noch Carreterras – mehr oder weniger gut befahrbare, nicht asphaltierte Pisten.  Und je nach Qualität wird man darauf mehr oder weniger durchgeschüttelt.
Auf dem Heimweg ist ein erleichtertes Aufstöhnen zu vernehmen, als wir wieder auf die Pista wechseln. Nach etwa 8 Stunden Rütteln und Schütteln war jeder froh über die plötzliche Stille - wir gleiten dahin.
Ein Teufel aus Paucartambo
Zunächst geht es wieder hinunter. Wir passieren eine Gräberstätte mit sogenannten Chullpas, Grabtürmen, aus der Lupaca-Kultur (Prä-Inka-Zeit) – Fotopause mit kurzen Erklärungen von Ronald. In Paucartambo, einem Zentrum der andinen Kultur, wird wieder eine Pause eingelegt, Museumsbesuch eingeschlossen. 
Die Chullpas von Ninamarca

Der nächste Anstieg führt dann bis auf 3600 Meter und dem "Eingang" zum Manu- Nationalpark, gleichzeitig der Beginn der Nebelwaldregion. Der Platz heißt „Mirador des tres Cruces“ – zu sehen gibt es nichts, alles ist vom Nebel eingehüllt.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts ...
Auf dem Weg nach unten wird die Straße immer schlechter. Wir  steigen immer wieder aus und laufen ein Stück, beobachten und fotografieren Fauna und Flora. Auf 2400m Höhe gibt es Mittagessen: frisch gekocht, mit Tisch und Stofftischdecke, auf Porzellantellern.  Am Straßenrand.
Ein Hualpa (Andenhahn)
Unser Tagesziel ist die Bamboo Lodge auf 700m Höhe – sie liegt mitten in einer Coca-Plantage.
 
Bamboo-Lodge mit Coca-Plantage