Montag, 20. April 2015

Essen in Peru (1): Pollo



Nach einem anstrengenden Tag wollen wir auf die Schnelle etwas essen. Unsere Wahl fällt auf eine kleine Polleria in der Nähe der Avenida del Sol. Zur Vorspeise gibt es eine Hühnersuppe, kräftig gewürzt, mit Fleischeinlage.
„Das sieht aus wie Hühnerfüsse ohne Füße“, stelle ich fest und mache mich daran, eines der Teile zum Abnagen heraus zu fischen.
„Das sind Hühnerfüsse!“
„Stimmt!“
Der Fuß landet wieder in der Tasse.

Fahnenappell

Während wir in der Messe in der Kathedrale sitzen, hören wir immer wieder Marschmusik von draußen: der sonntägliche Fahnenappell (oder wie das heißt) beginnt etwa zur gleichen Zeit. Ein feierlicher Aufmarsch mit Militär, Honoratioren , studentischen Abordnungen und so weiter.
Militär ist wirklich nicht mein Ding, schließlich bin ich Kriegsdienstverweigerer. Und wir Deutschen haben auch kein einfaches Verhältnis zum Nationalstolz. Dennoch habe ich mich darüber geärgert, dass einzelne Touristen – von Kleidung und Habitus eher der sog. europäischen „Hippie-Kultur“ zuzuordnen – sich sehr abfällig mit Gesten und Mienen äußerten. Ungeachtet der eigenen Meinung sollte man den Gastgebern ein Minimum an Respekt zollen.
Neben der Fahne Perus weht übrigens die Regenbogenfahne der Inka, die gleichzeitig die Fahne Cuzcos ist. Abends a las seis wurden die Fahnen dann wieder eingeholt. Mit deutlich weniger Aufwand, aber sehr würdevoll.
Die Fahnen werden eingeholt

La misa



Die Kathedrale von Cuzco
Sonntags in aller Herrgottsfrühe in die Messe? Nun, wir waren noch nie in der Kathedrale von Cuzco. So haben wir die Möglichkeit, sie mit den Menschen dieser Stadt gemeinsam, sozusagen en vivo, zu erleben. Und nicht nur den prachtvollen Bau mit den zahllosen Gemälden bestaunen. Zum Beispiel die Abendmahlsszene mit Cuy.
Außerdem gehe ich gerne im Urlaub in einen Gottesdienst. Und ich freue mich, dass Edgar mitkommt.
Die Kathedrale ist gut gefüllt, fast ausschließlich Einheimische. Natürlich fallen wir auf. Der Chor singt ergreifend schön. Wir sehen viele junge Leute, die ihre alten Angehörigen mit großer Umsicht in die Bänke „basteln“. Direkt neben uns sitzt eine junge Indianerin mit ihrem wenige Tage alten Kind. Als es unruhig wird, stillt sie es.
Das Praktische an der katholischen Liturgie: man weiß auf der ganzen Welt immer, was gerade dran ist, auch bei geringen Sprachkenntnissen. Doch mitten im Hochgebet stutze ich: was betet der Pfarrer da? Ich verstehe kein einziges Wort. Es dauert einen Moment, bis mir klar wird: er betet Hochgebet und Wandlung auf Quechua, der Inkasprache – das hätte ich nicht erwartet.
Stimmt. Was man mal als Messdiener vor vielen Jahren gelernt hat, gilt weitgehend auch in der Kathedrale von Cuzco. Trotz anderer Sprache, das Ritual ist das Gleiche, die Stichwörter lassen sich problemlos zuordnen. Ich hätte also ohne weiteres einsteigen können. Allerdings überragt selbst Gabriele den Diakon. So wie ich den Rest der Gemeinde.
Der Pfarrer predigt lang, etwa 25 Minuten steht er auf den Treppen vor dem Altar. Selbst die Ministranten werden etwas nervös. Er spricht mit Pathos, mit großer Begeisterung. Die gesamte Atmosphäre in der Messe geht zu Herzen. Das eine oder andere Mal steigen mir die Tränen in die Augen …
Ein guter Start in den Sonntag und: ein Seelenbad.
Von draußen hören wir hin und wieder Marschmusik: wie wir später, nach der Messe erfahren, findet dort die sonntägliche Fahnenzeremonie statt. Aber das ist ein anderes Thema.

Doce o Dos?



Wir sind mit unserer Gastfamilie verabredet. Um halb drei. Dachten wir. Nein, jetzt kommt nicht die übliche Geschichte mit „peruanischer/lateinamerikanischer Zeit“.
Als wir gegen halb eins vor unserer Wohnung auftauchen – eher zufällig, da wir noch die Zeit bis zur Verabredung zum Karten schreiben nutzen wollen – sitzen Ydalia und Edwin strahlend vor der Tür im Auto. Was ein Zufall, Hola, wie geht’s – „macht euch ein bisschen frisch und kommt gleich wieder runter“, wird uns geheißen. Im Auto, auf der Fahrt zu einem Lokal etwas außerhalb, klärt es sich dann auf. Von wegen Zufall.  Wir waren „a las doce y media“ verabredet“, nicht, wie wir verstanden hatten „a las dos y media“. 
Pünktlich waren wir trotzdem. „Una coincidencia de corazon“, wie wir später mit Ydalia und Edwin scherzen.

Samstag, 18. April 2015

Ein erstes Fazit

Jetzt schon? Gerade mal zwei Tage 'rum - wenn man den Donnerstag nicht mit zählt - aber wir sind uns einig: es gefällt.
Das ist natürlich untertrieben. Im Moment schweben wir auf Wolke 7. Zwei anstrengende Tage - heute alleine 7 Stunden zu Fuss in und um Cuzco unterwegs - ganz abgesehen von der Anreise. Zwei Tage, die sich anfühlen, als wären wir schon 2 Wochen hier.
Wir hatten gezweifelt, ob wir etwas wiederholen können, was uns vor zwei Jahren so gefallen hat. Der Reiz des Neuen ist ja weg. Hatten Angst, dass unsere Erwartungen enttäuscht werden, sie deswegen herunter geschraubt.
Das Gegenteil ist der Fall. Viel wacher als beim ersten Mal, entdecken wir vieles aufs Neue / ganz anders / intensiver.

Wie gesagt: es gefällt.

P.S.: "ir werden kein "Tagebuch" abliefern. Können wir gar nicht. Es sind viel zuviele Dinge, die wir hier Tag für Tag erleben. Und chronologisch wird's auch nicht.
Vamos a ver.  

Freitag, 17. April 2015

Wir sind wieder da!

Die Anreise war diesmal weniger aufregend - wir sind ja schon erfahrene Südamerika-Reisende! ;- )
Sonnenaufgang über Venezuela
Einen einzigen Moment der Spannung gab es, als der Flieger aus Madrid kommend mit fast 2 Stunden Verspätung in Lima landete - das wird knapp, dachten wir uns. Zu Recht.
Unser Gepäck kam sehr zügig, der Zoll war gnädig, beim Check-in liess man uns direkt durch zum bereits geschlossenen Schalter. Wir kamen ziemlich pünktlich in Cuzco an. Und ziemlich erledigt, nach fast 26 Stunden Haus-zu-Haus, davon 16 im Flugzeug.
Aber die Begrüßung war jede Strapaze wert. Durch Edwin, der uns am Flughafen abholte und gleich kräftig umarmte. Durch Ydalia, die diesmal gleich ein typisch peruanisches Gericht für uns vorbereitet hatte - sie musste ja nicht mehr fragen, ob wir so was mögen. Durch Cuzco selbst, das uns erst einmal mit Sonnenstrahlen empfing, um danach gleich ein imposantes Gewitter vom Stapel zu lassen. Wir hatten also keine Skrupel, zunächst einmal Schlaf nachzuholen.
Am nächsten Tag dann in der Schule. Margarita, Mauge, Flavio - wir wurden empfangen wie lang Vermisste.
Natürlich hatten wir uns auch und gerade auf die Menschen hier gefreut - aber dass die sich auch so freuen ....
Natürlich haben wir schon wieder viele Kilometer zu Fuss hinter uns - und wissen wieder, warum wir wieder hierher wollten.
Wir sind wieder in Cuzco.


Dienstag, 7. April 2015

... und der Countdown läuft

Noch eine Woche.
Die Flüge sind gebucht, die wichtigsten Programmpunkte stehen. 2 Wochen werden wir wieder in Cuzco sein. Wieder bei unseren letzten "Gasteltern", Ydalia und Edwin, wohnen. Cuzco uns wieder neu vertraut machen. Bei manchem, was in der Aufregung der vielen neuen Erfahrungen vor 2 Jahren zu kurz kam, genauer hinsehen. Es wird mehr Begegnungen mit Menschen geben. Wir werden berichten.

Danach: Mit dem Bus in den Dschungel. 10 Stunden Fahrt über die Anden ins Amazonas-Tiefland. In Puerto Maldonado, am Zusammenfluss des Tambopata mit dem Río Madre de Dios, warten Kaimane, Vogelspinnen, Anakondas, Moskitos auf uns. Wir sind gespannt.

Die letzten Tage wollen wir in Lima verbringen. Fast ein Drittel aller Peruaner soll hier leben, in der "Metropolregion Lima" am Pazifik, in "Lima, dem Moloch". Mit seinen "informellen Siedlungen", in denen wiederum zwei Drittel der Einwohner Limas leben. Trotz aller Warnungen vor Taschendieben, Überfällen, Entführungen: viele schwärmen von dieser Stadt. Wir werden sehen.